Der Digitalverband Bitkom fordert mehr Wahlfreiheit beim Bezahlen. Setzt er sich durch, müsste jeder Laden und Gastronom mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten. Schilder wie "Cash only" soll es dann nicht mehr geben. (Foto: © captainvector/123RF.com)

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Überall bargeldlos bezahlen: Bitkom fordert Gesetzesregelung

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Bei jedem Bäcker und in allen Eisdielen sollte bald auch bargeldloses Bezahlen möglich sein - und zwar verpflichtend. Das fordert der Digitalverband Bitkom. Dem Kunden soll in jedem Laden und in jedem Restaurant mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit angeboten werden.

Schilder wie "Keine Kartenzahlung" oder "Cash only" sollen nach Vorstellungen des Digitalverbands Bitkom in Deutschland künftig der Vergangenheit angehören. Überall wo Kunden bezahlen können, soll demnach mindestens eine europaweit nutzbare digitale Bezahlmöglichkeit, egal ob per Karte, Smartphone oder Smartwatch, verpflichtend angeboten werden müssen, heißt es in den "Bitkom-Thesen zur Wahlfreiheit beim Bezahlen". Digital bezahlen zu können, sei kein "nice-to-have", sondern eine vom Kunden erwartete Grundausstattung. 

Dies betreffe die Kasse beim Bäcker, im Eiscafé oder im Kiosk ebenso wie Restaurants, Kneipen und Ticketautomaten. Damit werde das Bargeld nicht abgeschafft, "sondern es wird um weitere Bezahlmöglichkeiten ergänzt", so der Verband. "Digitale Alternativen beim Bezahlen geben Kunden mehr Freiheit", erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg.

ForderungDer Bitkom fordert die Bundesregierung auf, die Wahlfreiheit zwischen baren und digitalen Bezahloptionen zu ermöglichen. Die Akzeptanz mindestens einer europaweit nutzbaren, digitalen Bezahloption an jedem Point-of-Sale solle "regulatorisch vorgeschrieben" werden. Lesen Sie mehr dazu in dem Bitkom-Thesenpapier

Durch Corona vermeiden immer mehr Menschen Bargeld

Bitkom-Präsident Achim Berg fordert Gleichberechtigung bei den Zahlungsmethoden. Foto: © BitkomBitkom-Präsident Achim Berg fordert Gleichberechtigung bei den Zahlungsmethoden. Foto: © Bitkom

Die Forderung nach mehr Wahlfreiheit beim Bezahlen werde laut Bitkom von einer großen Mehrheit der Bundesbürger geteilt. Während des Corona-Lockdowns hat der Digitalverband eine repräsentative Befragung unter 1.006 Bundesbürgern ab 16 Jahren in Auftrag gegeben.

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Danach gaben drei Viertel (75 Prozent) der Befragten an, Zahlungen mit Bargeld so oft es geht zu vermeiden. Sieben von zehn (71 Prozent) wünschten sich mehr Möglichkeiten, um kontaktlos bezahlen zu können. Und das seien nicht nur die Jüngeren.

Auch beim Bäcker zahlen immer mehr Kunden bargeld- und kontaktlos

Der Zentralverband des Bäckerhandwerks setzt sich auch angesichts solcher Initiativen gegenüber der Politik weiter für den Erhalt des Bargeldes ein. "Der ganz überwiegende Teil der Kunden von Bäckereien zahlt nach wie vor mit Bargeld. Bargeld ist aus vielen Gründen bewahrenswert", so der Verband, der sich gegen jede Art von Beschränkung der Bargeldzahlungen ausspricht.

Foto: © Thomas F. StarkeFoto: © Thomas F. Starke

Gleichwohl würden auch in den Bäckereifilialen immer mehr Kunden bargeldlos bezahlen. Bereits jeder Fünfte würde Beträge unter 25 Euro am liebsten mit girocard bezahlen, bei den 16- bis 19-Jährigen ist es sogar jeder Dritte.

Die Mehrheit der Befragten finde das kontaktlose Bezahlen praktisch. Betriebe berichten, dass kontaktloses Bezahlen in der gegenwärtigen Corona-Situation vermehrt von Kunden nachgefragt wird.

Bargeldloses und kontaktloses Zahlen wird also auch für Bäckereien immer wichtiger.

Broschüre für Bäcker Der Zentralverband des Bäckerhandwerks hat  zusammen mit der Initiative Deutsche Zahlungssysteme eine Broschüre zum kontaktlosen und bargeldlosen Zahlen aufgelegt.  

Digitales Bezahlen sollte auch bei noch so kleinen Beträgen möglich sein

Der Bitkom schlägt in seinem Thesen-Papier auch vor, dass bestehende Wertgrenzen beim digitalen Bezahlen gesetzlich abgeschafft werden. Vor allem kleinere Händler oder Gastronomen akzeptieren digitale Zahlungen zum Teil erst ab einem bestimmten Betrag.

Um die Händler und Gastronomen bei der Bereitstellung von neuen Bezahlmöglichkeiten für ihre Kunden zu unterstützen, fordert der Verband finanzielle Hilfen bei der Erstanschaffung von Terminals für das elektronische Bezahlen.

Außerdem wird angeregt, einen Zahlungsverkehrs-Rat beim Bundesfinanzministerium einzurichten, wie es ihn in anderen Ländern bereits gebe. Eine zentrale Aufgabe des Rates solle dabei sein, bei Digitalisierungsprojekten für eine stärkere Berücksichtigung des digitalen Zahlungsverkehrs zu sorgen.

Text: / handwerksblatt.de

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