Zumindest zwei-, dreimal im Jahr sollte der jeweilige Vermögensstand einschließlich der einzelnen Anlagepositionen aktualisiert und überdacht werden.

Zumindest zwei-, dreimal im Jahr sollte der jeweilige Vermögensstand einschließlich der einzelnen Anlagepositionen aktualisiert und überdacht werden. (Foto: © weerapatkiatdumrong/123RF.com)

Wie man Vermögen für das Alter aufbaut

Betriebsführung

Ohne spekulative Anlageformen wird eine Altersvorsorge in absehbarer Zukunft kaum möglich sein. Ein Experte erklärt, was Betriebsinhaber jetzt tun sollten.

Auch wenn mittlerweile wieder steigende Zinsen zur Wirklichkeit gehören, sollten Betriebsverantwortliche nicht zur sprichwörtlichen Tagesordnung übergehen, sondern über ihre eigenen Anlageziele vor allem im Hinblick auf die spätere finanzielle Altersabsicherung nachdenken.

Strategische Überlegungen zur finanziellen Altersvorsorge sollten mit einer realistischen Bestandsaufnahme beginnen. Dazu gehören sämtliche bisher erworbenen Ansprüche insbesondere aus der gesetzlichen Rentenversicherung und angesparte Guthaben aus – oft bereits vor Jahrzehnten abgeschlossenen – Lebens- oder Rentenversicherungen. Die Bestandsmitteilungen der Anbieter, meistens jährlich erstellt, bieten hier eine erste Orientierung. Sie sollten um realistische Prognosen der jeweiligen Finanzdienstleister ergänzt werden. Hierzu sind konservative Wertentwicklungsansätze ohne „Schönrechnen“ wichtig, um die eigenen Sparziele später nicht korrigieren und gegebenenfalls teuer nachfinanzieren zu müssen.

Immobilien sollten schuldenfrei sein

Natürlich gehören auch Immobilien, selbst genutzt oder vermietet als Renditeobjekte, zu den Bausteinen finanzieller Altersvorsorge. Soweit möglich, sollten sie bis zum späteren Rentenbeginn vollständig entschuldet sein. Nicht zu vergessen ist der erwartete Erlös aus einer möglichen Betriebsveräußerung. Darüber hinaus – dieser Punkt sollte nicht unterschätzt werden – ist die Bildung einer angemessenen Liquiditätsreserve sinnvoll, etwa um anfallende Renovierungsmaßnahmen an den vorhandenen Gebäuden auch zukünftig möglichst ohne Bankkredit finanzieren zu können.

Schuldenfreie Immobilien sowie die erwähnten Vermögenswerte sind (auch) bei Betriebsverantwortlichen aber keineswegs der Normalfall. Häufig reichen die finanziellen Rücklagen nicht aus, um den Lebensstandard halten zu können. Meistens auch deshalb, weil vorhandene Liquidität immer wieder in den Betrieb investiert wurde. Eine zusätzliche Altersvorsorge ist also oftmals zwingend erforderlich.

Strategien je nach Risikoprofil

Das Risikoprofil des Unternehmers spielt eine wesentliche Rolle bei den jeweiligen Anlageentscheidungen. Wer beispielsweise von Aktien oder Investmentfonds nicht überzeugt ist, sollte seine diesbezüglichen Zweifel zumindest überdenken. Ohne spekulativere Anlageformen wird ein kontinuierlicher Vermögensaufbau in absehbarer Zukunft nämlich kaum mehr möglich sein. Dem eigenen Absicherungsbedürfnis kann man aber dadurch Rechnung tragen, dass man die individuelle Spekulationsquote im Laufe der Jahre in Frage stellt und gegebenenfalls anpasst.

Absolut sinnvoll ist darüber hinaus eine profunde und vor allem regelmäßige Prüfung der ursprünglich festgelegten Anlageziele sowie der Wertentwicklung des investierten Vermögens. Zumindest zwei-, dreimal im Jahr sollte der jeweilige Vermögensstand einschließlich jeder einzelnen Anlageposition daher aktualisiert und überdacht werden. Gegebenenfalls kann hierzu der Steuerberater eingebunden werden. Die eigene Hausbank oder andere Finanzpartner sollten ebenfalls um ihre – hoffentlich weitgehend objektive – Meinung gebeten werden.

Das „Magische Dreieck“ der Geldanlage

Bei dieser „Investmentgeometrie“ als weiterem wichtigen Anlagegrundsatz geht es um die drei wesentlichen Faktoren einer Geldanlage: Sicherheit, Verzinsung und Verfügbarkeit. Die Magie liegt darin, dass es nahezu unmöglich ist, diese drei Faktoren unter den sprichwörtlichen gemeinsamen Hut zu bringen. So gehen beispielsweise überdurchschnittliche Renditechancen grundsätzlich zu Lasten der Sicherheit der jeweiligen Geldanlage. Dies gilt sinngemäß im Übrigen auch bei einer Aktienanlage mit dem einerseits vorhandenen Wertsteigerungspotenzial sowie dem andererseits damit verbundenen Risiko eines Wertverlustes. Des Weiteren erfordert eine kurzfristige Verfügbarkeit zumeist die Bereitschaft des Anlegers, auf mögliche höhere Wertzuwächse zu verzichten, die in der Regel nur bei längeren Laufzeiten möglich sind.

Betriebsinhaber, die sich mit diesen Zusammenhängen und gegenseitigen Abhängigkeiten professionell auseinandersetzen, können somit zumindest die Grundlagen für ein kaufmännisch sinnvolles Anlageverhalten schaffen.

Checkliste für Anleger

Diese Punkte sollten Sie mit Ihren Finanzdienstleistern rechtzeitig klären:

  • Legen Sie in Ihrem Risikoprofil unmissverständlich fest, welchen Spekulationsgrad der unterschiedlichen Anlageformen Sie akzeptieren;
  • Legen Sie Ihren persönlichen Anlagezeitraum fest. Bei den spekulativen Anlagen sollte der zeitliche Horizont mindestens drei bis fünf Jahre betragen;
  • Machen Sie deutlich, dass Sie auf ausgewogene Angebote Wert legen. Also fordern Sie Angebote, die nicht nur Ihre Finanzdienstleister aus eigenen Beständen anbieten. Es ist längst möglich, die eigene Bank-Angebotspalette auch um interessante Produkte von Mitbewerbern zu ergänzen;
  • Regeln Sie verbindlich, welche Kosten für die Transaktionen (Käufe und Verkäufe) und für die Verwahrung und Verwaltung Ihrer Vermögenswerte berechnet werden. Es kann hierzu hilfreich sein, aus Kostengründen über ein Zweit-Konto einschließlich Wertpapierdepot bei einer Direktbank nachzudenken;
  • Denken Sie an den Zusammenhang zwischen hohen Zinssätzen und Wertentwicklungen und daran, dass damit fast immer ein höheres Risiko einhergeht. Das gilt selbstverständlich auch für die Anbieter, mit denen Sie bereits zusammen arbeiten. Lassen Sie sich also klar und verbindlich mögliche Risiken gerade von Geldanlagen aufzeigen, die Ihnen als „außerordentlich lukrativ“ angeboten werden;
  • Wenn Sie sich für Aktienfonds interessieren, lassen Sie sich vom jeweiligen Anbieter die in der von Ihnen gewünschten Anlagekategorie (beispielsweise weltweite Spitzenaktien oder Investmentfonds oder bestimmte Themenfonds beispielsweise aus den Bereichen Gesundheit, Energie oder Datentechnik)  jeweiligen Spitzenreiter der vergangenen fünf oder zehn Jahre ermitteln. Sie verfügen dann, bei allen verbleibenden Unwägbarkeiten für die zukünftige Wert- oder Renditeentwicklung, in der Regel über eine wichtige Entscheidungsgrundlage.

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Text: / handwerksblatt.de