Das Kommunalpolitische Forum 2022 von Handwerk.NRW widmete sich dem Städtebau.

Das Kommunalpolitische Forum 2022 von Handwerk.NRW widmete sich dem Städtebau. Prof. Dr. Wolfgang Sonne vom Lehrstuhl für Geschichte und Theorie der Architektur an der TU Dortmund hielt den Festvortrag. (Foto: © Wilfried Meyer)

"Die Welt tickt anders"

Das Kommunalpolitische Forum 2022 von Handwerk.NRW widmete sich dem Städtebau. Ohne Handwerk geht das nicht – aber nicht immer bekommt es auch den angemessenen Platz, hieß es da.

Wenn 30 Grad und noch ein Brückentag aufeinandertreffen, wird es schwierig, eine große Halle zu füllen. Doch das tat rein inhaltlich dem "Kommunalpolitischen Forum" von Handwerk.NRW keinen Abbruch, das dieses Jahr nicht wie traditionell auf Schloss Raesfeld stattfand, sondern nach Wuppertal wechselte.

Der Grund: Erstmals fand der internationale Architekturwettbewerb "Solar Decathlon Europe" in Deutschland auf dem Gelände des Mirker Bahnhofs in Wuppertal statt. Und in die 18 Beispiele studentischer Teams samt umfangreichen Rahmenprogramms passte das Thema "Bauen, was bleibt! Baukultur, Städtebau und Stadtentwicklung zwischen Ästhetik und Nachhaltigkeit" bis auf das i-Tüpfelchen.

In das Thema führte Prof. Dr. Wolfgang Sonne vom Lehrstuhl für Geschichte und Theorie der Architektur an der Technischen Universität Dortmund und stellvertretender Direktor des Instituts für Stadtbaukunst ein. In seinem Festvortrag "Die Ästhetik unserer Städte" brachte er mit der Präsentation von zehn Prinzipien die gestalterische Kraft von Stadtquartieren zum Ausdruck. Stadtquartier ist ein räumlich-geografisch abgegrenztes Umfeld fürs Wohnen, Arbeiten und Leben, das aus nur wenigen Straßenzügen und Blöcken besteht.

Schnittstelle zwischen öffentlich und privat

Festvortrag von Prof. Dr. Wolfgang Sonne über die Ästhetik unserer Städte Foto: © Wilfried MeyerFestvortrag von Prof. Dr. Wolfgang Sonne über die Ästhetik unserer Städte Foto: © Wilfried Meyer

Prof. Sonne zeigte auf, wie der Übergang vom privaten ins öffentliche Leben funktioniert und sich Menschen in das soziale und öffentliche Umfeld einfügen. "Klassisches Beispiel ist der Balkon, der die Schnittstelle zwischen privater Wohnung und öffentlichen Raum ist und sich Menschen mit dem Betreten für andere sichtbar und damit öffentlich sind. Fassaden sind dabei das Bindeglied zwischen dem privaten und öffentlichen Raum."

Dabei formen sie durch ihre Ausgestaltung den Öffentlichen Raum, wie der Städtebau-Experte mit eindrucksvollen Beispielen aus der Architektur-Geschichte untermauerte.

Eines der entscheidenden Prinzipien ist dabei die Multifunktionalität von Stadtquartieren, so Sonne. Sie ermöglicht Wohnen, Leben, Einkaufen, aber auch durch die Ansiedlung von Gewerbe Arbeit. "Solche Strukturen sind historisch gewachsen und die Durchmischung erfüllt eine wichtige soziale Funktion, weil ein Stadtquartier für sich lebt – und all das hat, was die Menschen brauchen."

Handwerk wird aus den Innenstädten verdrängt

Wie schwierig es geworden ist, solche Quartiersentwicklung weiter fortzuschreiben, zeigte vor allem die anschließende Podiumsdiskussion, an der neben Sonne noch Dr. Svenja Haferkamp, Vorstandsmitglied von Baukultur NRW und Leiterin der Unternehmenskommunikation der Thelen Gruppe aus Essen, Dr.-Ing. Frank Pflüger, Gesellschafter der HJPplaner aus Aachen und Jochen Stiebel, Geschäftsführer der Neue Effizienz gemeinnützige GmbH aus Wuppertal teilnehmen.

Anregende Podiumsdiskussion: Prof. Dr. Wolfgang Sonne vom Lehrstuhl für Geschichte und Theorie der Architektur an der Technischen Universität Dortmund, Dr. Svenja Haferkamp, Vorstandsmitglied von Baukultur NRW und Leiterin der Unternehmenskommunikation der Thelen Gruppe aus Essen, Moderator Dr. Hagen W. Lippe-Weißenfeld, Geschäftsführender Gesellschafter der ProjektSchmiede GmbH, Düsseldorf, Dr.-Ing. Frank Pflüger, Gesellschafter der HJPplaner aus Aachen und Jochen Stiebel, Geschäftsführer der Neue Effizienz gemeinnützige GmbH, Wuppertal (von links) Foto: © Wilfried MeyerAnregende Podiumsdiskussion: Prof. Dr. Wolfgang Sonne vom Lehrstuhl für Geschichte und Theorie der Architektur an der Technischen Universität Dortmund, Dr. Svenja Haferkamp, Vorstandsmitglied von Baukultur NRW und Leiterin der Unternehmenskommunikation der Thelen Gruppe aus Essen, Moderator Dr. Hagen W. Lippe-Weißenfeld, Geschäftsführender Gesellschafter der ProjektSchmiede GmbH, Düsseldorf, Dr.-Ing. Frank Pflüger, Gesellschafter der HJPplaner aus Aachen und Jochen Stiebel, Geschäftsführer der Neue Effizienz gemeinnützige GmbH, Wuppertal (von links) Foto: © Wilfried Meyer

Bezugnehmend auf die vorgestellten Prinzipien brachte die Pflüger die Situation auf den Punkt: "Die Wirklichkeit tickt anders. Denn gesichtslose Sozial-Wohnbauten, aber auch unzählige Vorschriften haben dafür gesorgt, dass sich der Idealtypus des Stadtquartiers so nicht realisieren lassen."

"Tatsache ist, dass Handwerk wird aus den Innenstädten rausgedrängt", sagte Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund stellvertretend für die versammelten Handwerker.

Vorgaben zu Emissionen und Lärm etwa machen es dem Handwerk schwer, im städtischen Umfeld zu bleiben. Dabei wird das Handwerk gerade beim Städtebau gebraucht, weil es regional verwurzelt ist und die historisch gewachsenen Strukturen kennt und in der Tradition auch modernisiert umsetzen kann.

Warum das auch so sein muss, zeigen die 18 Demonstratoren des Solar Decathlon Euro. "Die Lösungen, die hier gezeigt werden, zielen auf die Frage, wie in urbanen Quartiere Lückenschlüsse und Aufstockungen erfolgen können", führte Hans Hund, Vorsitzender des Ausschusses für Kommunalpolitik, Landesplanung und Verkehr von Handwerk.NRW, in seiner Begrüßungsrede aus und fügte hinzu: "Die technische Qualität eines Bauwerks beruht auch und entscheidend auf der handwerklichen Qualifikation, die in Planung, Ausführung und Sanierung eines Bauwerks einfließt."

Tolle Projekte beim Solar Decathlon Europe

Das Projekt des interdisziplinären Team MIMO von der Hochschule Düsseldorf Foto: © Wilfried MeyerDas Projekt des interdisziplinären Team MIMO von der Hochschule Düsseldorf Foto: © Wilfried Meyer

Die Gebäude sind noch bis zum 26. Juni in Wuppertal zu sehen und zu erkunden. Mit dabei aus dem Kammerbezirk: Das interdisziplinäre Team MIMO der Hochschule Düsseldorf. Gegenstand des Projekts ist die behutsame Sanierung und Aufstockung eines bestehenden Wuppertaler Lagerhauses aus dem Jahr 1905, das vom überregional bekannten Café ADA als Gastronomie-, Tanz- und Eventlocation genutzt wird.

Ziel und Leitgedanke für die Neugestaltung des Gebäudes ist vor allem der Aspekt des Bewahrens. Herzstück des Energiekonzepts ist der energiBUS, ein Steuerungssystem, das die Photovoltaikanlage mit einer Wärmepumpe, einem Kälte- und einem Wärmespeicher sowie den größeren Haushaltsgeräten im Gebäude koppelt.

Einen eigenen Handwerks-Award für besonders überzeugende Bauweise lobte die Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal aus. Teilnahmeberechtigt waren an diesem reinen Fachpublikums-Preis ausschließlich im Handwerk Tätige aus dem Kammerbezirk, welche die Demonstratoren besuchten und aus ihrer handwerklichen Perspektive die Innovationen/Ideen, Ausführungsdetails oder auch Materialauswahl und -kombination bewerteten.

Die Sieger:

  • Platz 1 für SUM aus Delft (Technische Universität Delft),
  • Platz 2 für MIMO aus Düsseldorf (Hochschule Düsseldorf) und
  • Platz 3 für coLLab aus Stuttgart (Hochschule für Technik Stuttgart).

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Text: / handwerksblatt.de