Auch Bäcker leiden unter stark steigenden Energiepreisen.

Bäcker leiden unter rasant steigenden Energiepreisen. (Foto: © ZDBH/Darius Ramazani)

Ukraine-Krieg: Geschäftsklima im Mittelstand bricht ein

Unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ist das Geschäftsklima im deutschen Mittelstand eingestürzt. Das geht aus dem KfW-ifo-Mittelstandsbarometer für März hervor. Vor allem das Verarbeitende Gewerbe ist extrem betroffen.

Unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ist das Geschäftsklima im deutschen Mittelstand im März abrupt um 14,9 Zähler eingebrochen. Mit minus 9,4 Zählern liegt es aktuell auf einem ähnlichen Niveau wie während der zweiten Covid-Welle im Winter 2020/2021. Das geht aus dem aktuellen KfW-ifo-Mittelstandsbarometer hervor. 

Vor allem die Geschäftserwartungen im Mittelstand sind demnach düster. Sie gingen im März schlagartig um fast 26 Zähler zurück. Das sei der größte Absturz seit 2005, meldet die KfW. Die aktuelle Geschäftslage hat sich allerdings nur um 2,3 Zähler verschlechtert.

Großunternehmen noch stärker betroffen als kleine und mittlere Firmen

Besonders pessimistisch sind kleinen und mittleren Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe. Die Aussicht auf längerfristig stark erhöhte Energiepreise, das Risiko von Lücken bei der Gasversorgung sowie neue Engpässe bei wichtigen Rohstoffen aus Russland und der Ukraine haben die Geschäftsaussichten massiv eingetrübt, berichtet die KfW. Dazu kämen neue Lockdowns in China, die die globalen Lieferketten wohl wieder stören würden.

Mittelständische Industrieunternehmen wiederum erwarten kriegsbedingten Lieferschwierigkeiten bei speziellen Vorprodukten wie beispielsweise Kabelbäumen in der Automobilindustrie. 

Der Verfall des mittelständischen Geschäftsklimas im März 2022 sei jedoch branchenübergreifend: Im Bau, Groß- und Einzelhandel gehe das Klima jeweils um 16 bis 17 Zähler zurück und selbst im Dienstleistungsbereich sei noch ein beträchtlicher Rückgang um knapp zehn Zähler zu verbuchen.

Wie meistens bei internationalen Schocks seien auch diesmal die Großunternehmen noch stärker betroffen als die kleinen und mittleren Firmen: Ihr Geschäftsklima fällt im März um 23,5 Zähler auf minus 15,5 Saldenpunkte. Auch bei ihnen seien es vor allem die Erwartungen, die hinter dem Einbruch stehen.

Tabubruch mit dramatischen Konsequenzen

"Putins Überfall auf die Ukraine ist ein Tabubruch mit dramatischen humanitären und geopolitischen Konsequenzen, sowie erheblichen Risiken auch für Deutschland. Die sehr markante Eintrübung des mittelständischen Geschäftsklimas im März war daher absehbar", sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW.

Der Krieg bedeute vor allem einen zusätzlichen Inflationsschub durch voraussichtlich längerfristig erhöhte Energie- und Rohstoffpreise, die neben der privaten Kaufkraft auch die Geschäftstätigkeit in den besonders energie- und rohstoffintensiven Wirtschaftsbereichen belasten. Materialengpässe bei kritischen Rohstoffen aus Russland seien schwerwiegend aber kaum kalkulierbar sind. Ein Ausfall von russischer Nachfrage falle aber kaum ins Gewicht.

Hoffnung liegt auf Dienstleistungen

"Letztendlich werden die wirtschaftlichen Auswirkungen von der Dauer des Krieges sowie der militärischen und sanktionspolitischen Eskalationsspirale abhängen. Auf jeden Fall nehmen der Krieg und die neuen Probleme Chinas bei der Pandemiebekämpfung den Schwung aus der zuvor erwarteten kräftigen Erholung."

Da die Dienstleistungen nach dem Wegfall der meisten Corona-Einschränkungen in Deutschland aber noch beachtliche Erholungsmöglichkeiten hätten und bei einigen Haushalten auch finanzielle Polster aus den Zeiten der Lockdowns bestehe, könnte das Wachstum im laufenden Jahr noch immer bei rund zwei Prozent liegen.

Quelle: KfW

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Text: / handwerksblatt.de

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