Das Corona-Virus hat auch im neuen Jahr Auswirkungen auf die Betriebe im Münsterland. Diese sind dabei unterschiedlich.

Das Corona-Virus hat auch im neuen Jahr Auswirkungen auf die Betriebe im Münsterland. Diese sind dabei unterschiedlich. (Foto: © Bartolomiej Pietrzyk/123RF.com)

Optimismus im Handwerk überwiegt

Der Corona-Effekt-Index steigt an. Dabei weicht die Betroffenheit der Betriebe stark voneinander ab.

58 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Münster blicken mit optimistischen Erwartungen auf das erste Quartal des Jahres 2021. Pessimistisch sind dagegen 42 Prozent. Dieses geteilte Bild zeigt die repräsentative Corona-Blitzumfrage der Handwerkskammer Münster Anfang Januar. Daran beteiligten sich 739 Unternehmen. "Bei teils sehr unterschiedlicher Betroffenheit der Branchen von der Krise werden die Auswirkungen von Corona insgesamt wieder stärker", fasst Handwerkskammerpräsident Hans Hund die Ergebnisse zusammen. Er drängt darauf, dass die finanziellen Hilfen kurzfristig und vollständig bei den schwer betroffenen Betrieben ankämen. Außerdem fielen zu viele durch das Förderraster. Mittelfristig setze er seine Hoffnung auf die Impfungen. "Wenn sich die Infektionslage verbessert, führt das zugleich zur Entspannung im Handwerk", so Hund.

Durchwachsene Geschäftslage

Durchwachsen, aber im Saldo negativ ist die Bewertung der Geschäftslage im vergangenen Jahr gegenüber 2019 – dem Boomjahr vor der Pandemie: 41 Prozent der Betriebe sagen, 2020 sei schlechter gewesen, aber immerhin 24 Prozent erging es sogar besser. Vergleichbar finden 35 Prozent die beiden Jahre. Bei der Fachkräftegewinnung lief es für 36 Prozent der Befragten schlechter und nur für 5 Prozent besser. Mit 58 Prozent bewertet die Mehrheit die Situation als vergleichbar mit 2019.

Gegenläufige Entwicklungen 

Während 4.020 Friseur- und Kosmetikbetriebe im Kammerbezirk seit Wochen im Voll-Lockdown sind und teils hart um ihre Existenz ringen, merken 42 Prozent der Befragten kein oder nur ein geringes Nachlassen der Kundennachfrage durch Corona. Gegenläufige Entwicklungen gibt es auch beim Umsatz: 29 Prozent verzeichnen keinerlei Effekte, was der höchste Anteil seit Krisenbeginn ist; genauso viele Betriebe sind allerdings stark bis sehr stark betroffen, was der Maximalanteil seit dem Sommer ist. Der Druck auf die Beschäftigung ist gegenüber Ende November etwas größer geworden. Das wird bei der Kurzarbeit am deutlichsten; jeder fünfte Betrieb (22 Prozent) nutzt dieses Instrument, um seine Mitarbeiter zu halten (plus 7 Prozent). Unveränderte 72 Prozent der Befragten schließen Personalabbau aus. 6 der Prozent mussten Mitarbeitern kündigen (plus 0,5 Prozent). 14 Prozent halten diesen Schritt in der Zukunft für wahrscheinlich (plus 1,5 Prozent). Auch die Kosten durch das Virus sind gestiegen.

Gestiegener "Corona-Effekt-Index"

Der "Corona-Effekt-Index" der Handwerkskammer Münster nahm gegenüber November um 2,6 Punkte zu. Er lag am 10. Januar bei 20,6 Prozentpunkten. Der Index erfasst die starke bis sehr starke Beeinträchtigung des heimischen Handwerks durch das Virus bei Kundenaufträgen, Lieferfähigkeit, Leistungspreisen, Umsatz, Personalbestand, Liquiditätsengpässe, Kreditbedarf, Kurzarbeit und Personalabbau. Den Betrieben im Münsterland (Index: 19,5 Punkte) ergeht es besser als denen in der Emscher-Lippe-Region (23,3).  Am meisten haben die Soloselbstständigen mit Beeinträchtigungen zu kämpfen (Index: 24,8 Punkte). Schwer haben es auch Betriebe mit 5 bis 9 Tätigen (23,5). Am besten kommen kleine Betriebe mit 2 bis 4 tätigen Personen durch die Krise (14,4). Größere Betriebe ab 50 Personen liegen im Mittelfeld.

Schlusslicht: Gesundheitsgewerbe

Nach wie vor ergeht es dem Bauhandwerk am besten. Es folgen nach Ausmaß der Beeinträchtigung das Nahrungsmittelgewerbe, die Anbieter für den gewerblichen Bedarf (vor allem Zulieferer), das Kraftfahrzeuggewerbe und das personenbezogene Dienstleistungsgewerbe. Am schlechtesten ergeht es dem Gesundheitsgewerbe. 

 

Kommentar von Hans Hund Mit Kraft und Zuversicht
Foto: © Teamfoto MarquardtFoto: © Teamfoto MarquardtTrotz aller Herausforderungen, die das Coronavirus ausgelöst hat, besteht Grund zur Zuversicht. Die wirtschaftliche Lage ist stabil. Insgesamt zeigt sich das Handwerk stark in der Krise. Die Wirtschaftsgruppe bietet jungen Menschen nach wie vor gute berufliche Chancen und sichere Perspektiven. Wir sind Garanten für Arbeits- und Ausbildungsplätze. Das Handwerk als Ganzes war und ist der Stabilitätsanker in der Krise. Es stellt seine Zukunftsfähigkeit kraftvoll unter Beweis.    
Gerade deshalb müssen wir solidarisch mit jenen Betrieben des Handwerks sein, die von der Krise ganz besonders hart getroffen sind. Sie brauchen Hilfe. Die Handwerkskammer setzt sich für sie besonders ein: gegenüber der Politik und in der Beratung.      
Am wichtigsten ist, dass wir schnell aus der unkontrollierbaren Pandemie herauskommen. Corona-Erkrankungen, Quarantänefälle, Infektionsschutzmaßnahmen – all das bedeutet Anstrengungen. Der Verwaltungs- und Organisationsaufwand für den Hygieneschutz ist enorm und natürlich mit Kosten verbunden.        
Ich vertraue den Wissenschaftlern, die Impfstoffe entwickelt haben, und werde mich impfen lassen, wenn ich an der Reihe bin. Impfungen leisten einen Beitrag, damit wir wieder mehr Freiheiten leben können und sich die Wirtschaft erholt. Deshalb ist es auch für das Handwerk wichtig, dass sich viele impfen lassen. Eine akzeptable Alternative haben wir aus meiner Sicht nicht. Die angelaufenen Impfungen sind daher der ersehnte Lichtblick.          
Gerade jetzt sind Mut und Zuversicht gefragt. Wir Handwerker trotzen Corona und packen weiter an, damit wir auch aus dieser Krise gestärkt hervorgehen.
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

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Text: / handwerksblatt.de

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