Im Zuge des Fachkräftemangels interessieren sich viele Betriebe dafür, Migranten zu beschäftigen. Unternehmen ohne entsprechende Erfahrungen sind froh, wenn andere Unternehmen ihre Eindrücke und Erfolgsrezepte teilen – wie bei diesem Forum im Tagungszentrum der Handwerkskammer. Foto: © Constanze Knaack-Schweigstill

Flüchtlinge: Wie läuft es mit der Ausbildung?

Wie klappt's mit der Ausbildung von Flüchtlingen? Unternehmer berichteten in der Handwerkskammer Trier und gaben wertvolle Tipps.

Die Ausbildung von Flüchtlingen erfordert Fingerspitzengefühl. Darüber waren sich die Unternehmer beim Erfahrungsaustausch in der Handwerkskammer einig. Es ging um die Frage, wie es mit der Ausbildung von Migranten im Arbeitsalltag klappt. Schnell wurde klar: Die Antwort lässt sich in einem Satz nicht beantworten. Denn zum einen kommen  die jungen Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und Kulturen in unsere Region. Zum anderen hängt eine erfolgreiche Beschäftigung auch immer stark von den Sprachkenntnissen der neu gewonnenen Mitarbeiter ab.

Das Autohaus Werner in Saarburg meldet unterschiedliche Erfolge. Der Betrieb habe mit drei Mitarbeitern aus dem Libanon bereits gute Erfahrungen gemacht, betonte Geschäftsführer Heiner Behr, mit einem jungen Mann aus Syrien dagegen weniger gute. Nach einem vielversprechenden Start habe er immer öfter unentschuldigt gefehlt, etwa um private Termine wahrzunehmen. Auch ein klärendes Gespräch habe die Situation nicht verbessert: "Also haben wir die Reißleine gezogen", so Behr. 

Der Betrieb ließ sich aber nicht entmutigen und setzt auch weiterhin auf Integration. Die Ausschreibung eines Praktikumsplatzes auf Facebook stieß auf große Resonanz. Ein neuer syrischer Anwärter war bald gefunden. "Wir haben uns bei der Auswahl der Bewerber mehr Zeit gelassen und uns vergewissert, ob sie integrationsfähig sind", sagte Behr und empfahl diese Strategie weiter. Mit seinem neuen Mitarbeiter sei der Betrieb nun sehr zufrieden: "Ihm ist nichts zu viel, er ist super motiviert." Hilfreich seien zudem eine offene Kommunikation sowie Feedback-Gespräche mit eingebundenen Kollegen: "Eine Form der Wertschätzung, die zurückkommt", so Behr.

Auch Renata Zukaite-Schmitz, Personalreferentin bei Pro Contur in Wittlich, hat gute Erfahrungen mit solchen Gesprächen gemacht. "Bei Bedarf sprechen wir auch private Themen an. Im Moment läuft alles gut." Der Betrieb habe ein Konzept "Kulturelle Vielfalt" entwickelt und nutze nun die Vorteile: "Fachkräfte sichern, geeignete Mitarbeiter gewinnen, kulturelle Vielfalt nutzen, Image steigern. Die Beschäftigung von Flüchtlingen hat uns enormen Zuspruch eingebracht", sagte Zukaite-Schmitz. 

Im IT-Haus in Föhren haben mehrere Geflüchtete oder Migranten im August eine Ausbildung angefangen. Geschäftsführer Thomas Simon sprach an, was auch in den anderen Erfahrungsberichten anklang: "Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Junge Leute müssen bereit sein, sie in Wort und Schrift anzunehmen und zu erlernen." Außerdem gelte es, die einheimischen Lehrlinge sowie engagierte Mitarbeiter mit Migrationshintergrund einzubinden. Wichtig sei zudem ein guter Draht zur Schule und zur Kammer. Darüber hinaus brach Simon eine Lanze für "Multikulti": "Deutschland sollte internationaler werden." Eine Zwei-Klassen-Einteilung in politische und wirtschaftliche Flüchtlinge halte er letztendlich für nicht zielführend: "Wir müssen beide aufnehmen und integrieren." Die Strategie seines Betriebs fasste Simon so zusammen: Optimistisch starten, weiterbegleiten, Ausbildungsziel konsequent verfolgen.

Oft sei auch Überzeugungsarbeit nötig, sagte Stefan Müller von Zahntechnik Wallerius. Das gelte beispielsweise, wenn Glaubensfragen den Arbeitsalltag beeinträchtigten. "Einmal mussten wir Eltern davon überzeugen, dass ihr Sohn an Ramadan zumindest ein Glas Wasser trinken darf." Wo Argumente nicht fruchteten, bleibe nur der Rückzug: Ein Syrer habe sich von den weiblichen Beschäftigten grundsätzlich nichts sagen lassen wollen. Deshalb habe er gehen müssen. Sein Nachfolger hingegen sei nicht nur engagiert, sondern auch integrationswillig – und damit ein Gewinn für den Betrieb.

Foto: © Constanze Knaack-Schweigstill

 

Text: / handwerksblatt.de

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