Die Folgen von Vorurteilen und Diskriminierung im Berufsleben können für die Betroffenen schwerwiegend sein – und sie sogar krank machen.

Die Folgen von Vorurteilen und Diskriminierung im Berufsleben können für die Betroffenen schwerwiegend sein – und sie sogar krank machen. (Foto: © sifotography/123RF.com)

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Vorurteile und Diskriminierung machen krank

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Mal schnell getuschelt oder unhöflich – Vorurteile und Diskriminierung sind oft unbewusst. Doch die Folgen können dramatisch sein, weil es Betroffene krankmacht, wie eine neue Studie der IKK classic belegt.

Vorurteile haben eine wichtige Funktion: Sie sind für das Gehirn eine Abkürzung, weil das Stereotyp langwierige Denkprozesse ersetzt – und jeder Mensch hat Vorurteile, auch wenn sich nur zwei von fünf Personen ihrer Vorurteile tatsächlich bewusst sind. Problematisch wird es allerdings, wenn diese Bilder im Kopf zu unflexibel sind und in eine Verallgemeinerung münden. Das so getrübte Urteilsvermögen kann schnell zu Benachteiligung, Abwertung und Zurückweisung führen – und das kann Betroffene krank machen.

Eine repräsentative Studie des rheingold instituts im Auftrag der IKK classic unter 1.500 Befragten ergab jetzt, dass sich von Diskriminierung betroffene Personen umso weniger gesund fühlen, je stärker sie einer Diskriminierung ausgesetzt sind. Im Klartext: jede Form von Diskriminierung, jedes Vorurteil macht krank.

Mit Tuscheln fängt es an

Mehr als jeder zweite Mensch in Deutschland ist davon betroffen. Und wer bewusst oder unbewusst unter Vorurteilen oder Diskriminierung leidet, leidet häufiger unter Essstörungen, Migräne, Burn-out oder Depressionen.Was vielen oft nicht klar ist: Eine Diskriminierung fängt im kleinen Bereich, mit sogenannten Mikroagressionen, an. Das kann ein flüchtiges Tuscheln mit dem Nachbarn sein, rüdes, unhöfliches Verhalten oder einfach eine Nichtbeachtung sein und sich dann potenzieren und sich in Beleidigungen oder gar Körperverletzung münden.

Menschen, die sich in den letzten zehn Jahren einer Diskriminierung ausgesetzt fühlten, waren in vielen Bereichen weniger gesund als Nichtbetroffene, so die Studie. Gaben zum Beispiel nur 30 Prozent der Nichtbetroffenen an, in der vergangenen Dekade unter Schlafstörungen gelitten zu haben, waren es bei Diskriminierten gleich 70 Prozent. Ähnlich dramatisch sieht es bei Depressionen aus: Waren nur 29 Prozent der Nicht-Diskriminierten von Depressionen betroffen, lag die Quote bei Betroffenen gleich doppelt so hoch: 59 Prozent. Hinzu kommen gerade bei unverarbeiteten Diskriminierungserfahrungen körperliche Erkrankungen wie Kopfschmerzen, Erschöpfung oder Herzrasen. Sie fallen umso stärker aus, je häufiger ein Mensch Diskriminierungen ausgesetzt ist. Das Fazit der Gesundheitsexperten: "Es gibt einen sichtbaren Zusammenhang zwischen Diskriminierungserfahrungen und Erkrankungen."

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Der Faktor Angst kommt hinzu

Neben Erkrankungen bauen sich bei Betroffenen durch die schlechten Erfahrungen auch Ängste auf. Infolge schlechter Erfahrungen können sich auch Ängste vor weitere Diskriminierungen, anderen Menschen oder einem eigenen Versagen auf. Die Folgen davon sind eine höhere Empfindsamkeit sowie Verletzlichkeit und überall eine Antizipation von Schlechtem. "Diese Angstspirale ist schwer zu durchbrechen und prägt Menschen langfristig, auch wenn Merkmale wie zum Beispiel Übergewicht gar nicht mehr vorhanden sind", heißt es in der Studie.

Dabei spielt auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe eine Rolle, wie häufig sie Diskriminierungen ausgesetzt sind. Gerade Jün­gere und Menschen der LGBTIQ*-Community berichten häufiger von Selbstzweifeln, Ängsten und "Unsicher­heit", listet die Studie auf. "Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund äußern dagegen häufiger, auch ein "dickes Fell" bekom­men und Stärke und Selbstbewusstsein entwickelt zu haben." Auch wenn Betroffene Rückhalt in der Familie oder im Bekanntenkreis finden – viele leiden still vor sich hin.

IKK classic stellt sich divers auf

Immerhin gibt es Mittel und Wege, gegen Diskriminierung anzugehen. Eine Faustregel besagt: Fünf Kontakte mit Betroffener einer Gruppe helfen, ein Vorurteil abzubauen. Dass es mehr als nur ein Kontakt sein muss, hat einen simplen Grund. Wer nur mit einem Betroffenen Kontakt hält, neigt schnell dazu, ihn als Ausnahme zu sehen.

Hier will die IKK classic mit gutem Beispiel vorangehen und aktiv gegen Vorurteile und Diskriminierung vorgehen. "Hierfür werden wir in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren weiter für das Thema sensibilisieren und konkrete Maßnahmen entwickeln" erklärt Frank Hippler, Vorstandsvorsitzender der IKK classic. "Auch wir als Unternehmen stellen uns möglichst divers auf, fördern ein offenes und inklusives Arbeitsumfeld, achten auf eine stereo­typfreie Kommunikation und werden insbesondere auch unbewusste Vorurteile, die jeder von uns hat, weiter bekämpfen."

Text: / handwerksblatt.de

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