Das Netzwerk Berufsbildung ohne Grenzen berät Azubis, Fachkräfte und Ausbilder zu Auslandsaufenthalten. Die Mobilitätsberater Andreas Jörk von der HWK Gera und Matthias Werner von der HWK Kassel berichten von ihren Erfahrungen mit Erasmus+, AusbildungWeltweit und einem Programm des Landes Hessen. (Foto: © denis christo/123RF.com)

Netzwerk der Mobilitätsberater unterstützt beim Auslandsaufenthalt

Auslandsaufenthalte eignen sich hervorragend, um den eigenen Horizont zu erweitern. Gefördert werden sie etwa über das EU-Programm Erasmus+. Eine Beratung bietet das Netzwerk "Berufsbildung ohne Grenzen" an.

"Wir wollen die Zahl derer, die während ihrer Ausbildung ins Ausland gehen, kontinuierlich steigern. Auch wenn wir die Zehn Prozent-Marke aktuell noch nicht erreicht haben, sind wir diesbezüglich auf einem guten Weg", betont Andreas Jörk, Mobilitätsberater von Berufsbildung ohne Grenzen (BoG) an der Handwerkskammer für Ostthüringen. Sehr häufig würden die Auslandsaufenthalte mit Unterstützung von Bildungsprogrammen wie Erasmus+ und AusbildungWeltweit realisiert. Das gelte für rund 80 Prozent der über BoG vermittelten Auslandspraktika.

"Unser Vorteil ist, dass wir nah an der Wirtschaft und den Azubis sind", sagt Andreas Jörk. Der direkte Kontakt zu den kleinen und mittelständischen Unternehmen sei wichtig, um für das Thema zu sensibilisieren. Im Fokus stehe dabei die Beratung der Mitgliedsunternehmen, denen vor allem die Idee eines Auslandsaufenthalts und die Möglichkeiten von Erasmus+ aufgezeigt werden. Zugleich richten sich die Aktivitäten jedoch auch direkt an die Auszubildenden, zum Beispiel durch Beratungs- und Informationsarbeit in Schulen.

Durch die Zusammenarbeit zwischen Berufsbildung ohne Grenzen und Erasmus+ ist es möglich, Stipendien in größerem Umfang und relativ schnell zur Verfügung zu stellen. Dazu Mobilitätsberater Andreas Jörk: "Wir als Mobilitätsberater wissen in der Regel, wie wir bestmögliche Bedingungen für die Betriebe und Schulen und damit auch für die Auszubildenden schaffen können. Ohne Programme wie Erasmus+ wäre es für kleine und mittelständische Unternehmen fast unmöglich, Auslandsaufenthalte im Rahmen der beruflichen Ausbildung umzusetzen."

Berufsbildung ohne Grenzen Berufsbildung ohne Grenzen wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Netzwerkes beraten nicht nur Auszubildende, junge Fachkräfte und Berufsbildungspersonal, sondern auch die Betriebe zum Thema Auslandsaufenthalte. Die Beratung ist bei den Handwerkskammern sowie Industrie- und Handelskammern angedockt.  

Mobilitätsprogramm in Hessen

Matthias Werner ist Mobilitätsberater von Berufsbildung ohne Grenzen bei der Handwerkskammer Kassel. Er verweist darauf, dass Hessen ergänzend zu BoG auf Landesebene ein eigenes Programm auf den Weg gebracht hat. Dabei handelt es sich um "Mobilitätsberatung der hessischen Wirtschaft" – ein Gemeinschaftsprojekt der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, der Handwerkskammer Kassel, des Bildungswerks der Hessischen Wirtschaft und Arbeit und Bildung.

Entsendung nach Wien

Konditorin Ann-Sophie Bayer Foto: © privat/Ann-Sophie BayerKonditorin Ann-Sophie Bayer Foto: © privat/Ann-Sophie Bayer

Von dieser Zusammenarbeit hat die Konditorin Ann-Sophie Bayer profitiert. Sie nahm dank Werners Hilfe im Februar 2020 als Auszubildende über Erasmus+ an einer Gruppenentsendung nach Wien teil. "Ich wollte das unbedingt machen, kannte das Programm bis dahin aber gar nicht", erinnert sie sich. "Ich war damals im dritten Lehrjahr in Fulda. Mein Chef hat mich darauf hingewiesen, weil er wusste, dass es für mich sehr spannend ist, neue Menschen und Kulturen kennenzulernen".

Für drei Monate nach Kreta

Ein paar Monate später bekam Ann-Sophie Bayer sogar erneut die Gelegenheit dazu. Die Ausbildung hatte sie mittlerweile abgeschlossen, als junge Fachkraft ging sie für drei Monate nach Kreta, wo sie in einer kleinen Patisserie mitarbeitete. Eine Erfahrung, die sie nicht missen möchte. Im Anschluss an die Meisterprüfung möchte sie sogar noch einmal eine Zeit im Ausland verbringen.

Erfahrungsberichte Im Themen-Special "Berufserfahrung im Ausland sammeln" auf handwerksblatt.de berichten wir über Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung. Dabei geht es um die Programme Erasmus+ und AusbildungWeltweit, aber auch um das Parlamentarische Patenschafts-Programm mit den USA. Junge Menschen teilen ihre Erfahrungen von Aufenthalten in Spanien, in verschiedenen europäischen Ländern, Malawi, Namibia und den USA.  

Handwerk hilft Industrie

Zurück nach Gera. Hier hatte Andreas Jörk vor einiger Zeit eine Anfrage von einem norwegischen Partner, der einen jungen Industriemechaniker für ein Praktikum nach Thüringen vermitteln wollte. Obwohl es sich nicht um einen Handwerksberuf handelte, fand der Mobilitätsberater der Handwerkskammer für Ostthüringen einen Platz bei der Electronicon Kondensatoren GmbH. Dabei kam er mit deren Personalreferentin Ute Rauschenbach ins Gespräch, die selbst an einem beruflichen Auslandsaufenthalt interessiert war. Bei der Umsetzung dieses Wunsches half die gute Vernetzung des thüringischen Mobilitätsberaters.

So konnte Ute Rauschenbach gemeinsam mit anderen Ausbilderinnen und Ausbildern an einer über Erasmus+ bezuschussten Berufsbildungsreise nach Schweden partizipieren. Das ermöglichte ihr sowohl Einblicke in die Arbeitsweise und das Ausbildungssystem schwedischer Unternehmen als auch viele interessante Begegnungen. "Zudem konnte ich mir ein Bild davon machen, was unsere eigenen Azubis in schwedischen Gastbetrieben leisten können", bilanziert die Personalreferentin.  

Funktionierendes Netzwerk

Das Beispiel verdeutlicht, wie gut das Netzwerk Berufsbildung ohne Grenzen die Beratungslandschaft um gezielte betriebsnahe Kontaktmöglichkeiten ergänzt. Jeder der Mobilitätsberater hat europaweit Kontakte in verschiedenste Länder und Branchen. "Wenn es uns gelingt, uns überregional und branchenübergreifend sinnvoll zu ergänzen und dabei auch die Synergien mit Erasmus+ zu nutzen, entsteht sehr schnell ein enormer Mehrwert", sind sich die Mobilitätsberater Andreas Jörk und Matthias Werner einig.

Quelle: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung/Manfred Kasper

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Text: / handwerksblatt.de

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